Fächerangebot

Geschichte / Sozialwissenschaft

Als Institution der Weiterbildung trägt das Westfalen-Kolleg im Fach Geschichte den spezifischen Eingangsbedingungen der Studierenden Rechnung. Diese sind gekennzeichnet durch ungleiche (diverse) Schulerfahrungen, verschiedenartige Methodenkenntnisse und unterschiedliches historisches Wissen, zumeist fehlende Chronologie in der Aufarbeitung von Geschichte, nicht zuletzt durch außerschulische Einflüsse, Erfahrungen im familiären und beruflichen Bereich und als Staatsbürger.

Hinzu kommt, dass die Zeitgenossenschaft mit gesellschaftlich-historischen Prozessen, eigenen Erfahrungen sowie das Wissen um die das Individuum beeinflussenden Strukturen in Staat und Gesellschaft die Lebenswelt und die Persönlichkeit der Studierenden bestimmen.
Als Menschen und Zeitgenossen haben sich daher Studierende wie Lehrende den besonderen Herausforderungen unserer Zeit zu stellen.
Zu diesen Herausforderungen gehören insbesondere das Ende des Kalten Krieges und die deutsche Einheit, die Perspektive Europa und die Globalisierung, Wandlungsprozesse in der Arbeitswelt, Wertepluralismus und mediale Einflüsse, die sich wandelnden Geschlechterrollen und Generationsbeziehungen, die Veränderungen in der Umwelt, demographische Prozesse.

Der Geschichtsunterricht im Bereich der Erwachsenenbildung hat der Vielfalt und Bedeutsamkeit bestehender wie neuer Problemstellungen in besonderer Weise Rechnung zu tragen. Als sein besonderes Ziel muss die Entwicklung und Stärkung von Schlüsselqualifikationen, die Förderung von Konflikt- und Kritikfähigkeit sowie ein Verständnis von der historischen Bedingtheit der eigenen Zeit, für die eigene Begrenztheit und die Relativität subjektiver Wertvorstellungen und Wertmaßstäbe genannt werden.

Diesen Zielen trägt insbesondere die Einführungsphase Rechnung.

Der Lehrgang teilt sich auf in eine Einführungsphase und eine Kursphase.

Die zwei semestrige Einführungsphase muss den im Hinblick auf historische Sachkenntnisse und Methodenkompetenz unterschiedlichen Eingangsbedingungen wie auch den in früheren Schulformen gemachten Erfahrungen mit dem Fach Geschichte Rechnung tragen. Insofern hat gerade das erste Einführungssemester propädeutische Funktion. Die Studierenden lernen den Umgang mit historischen Quellen, üben das Unterrichtsgespräch und nehmen wahr, dass Geschichte in allen Lebensumständen gegenwärtig ist. Sie erfahren, dass geschichtliche Erkenntnis zwar Objektivität anstrebt, immer aber auch mit persönlicher Einstellung und Wertung zu tun hat.
Den Studierenden soll verdeutlicht werden, dass die Bildung von „Geschichtsbewusstsein als Prägemuster aus dem Zusammenhang von Vergangenheitsdeutung, Gegenwartsverständnis und Zukunftsperspektive" das Bemühen ist, das Wissen um die menschliche Vergangenheit zur Deutung dessen, was gerade geschieht und in Zukunft erwartet werden kann, zu mobilisieren . Deshalb ist es auch angemessen, ausgehend von den selbst gemachten „historischen" Erfahrungen, Geschichte in ihrem Epochencharakter und in ihren Strukturen zu beleuchten.

Mit der Einführung des Zentralabiturs auch im ZBW ergibt sich die Notwendigkeit, das schulinterne Curriculum den neuen Vorgaben anzupassen.

Für die Einführungsphase werden vom SS 2006 an die folgenden Schwerpunkte vereinbart:

Semester 1:
Methodentraining mit den Schwerpunkten „historische Quellenarbeit“, „Quellenkunde“ und das Einüben von fachspezifischen Techniken. Thematisch sinnvoll erscheinen sowohl Themen, die in der Regel außerhalb des traditionellen Kanons liegen („Das Fremde“), wie auch z. B. Themen aus der Lokalgeschichte.

Semester 2:
„Französische Revolution“: In diesem Semester wird das Verständnis des modernen Rechtsstaates erarbeitet, und es werden die Grundlagen für die in der Kursphase vorgegebenen „Verbindlichen Unterrichtsinhalte im Fach Geschichte/Sozialwissenschaft für das Abitur 2008 und folgende geschaffen.

Die Kursphase
setzt die jeweils zu den Abiturterminen zentral vorgegebenen obligatorischen Unterrichtsinhalte um.
Vorgesehen ist, dass diese zentral vorgegebenen Inhalte über mehrere Semester/Jahre gültig sein sollen und in der Fortentwicklung im Rahmen der festgelegten Schwerpunkte modifiziert werden (können).

Für den Abiturjahrgang 2009 sind die folgenden inhaltlichen Schwerpunkte für die Kurssemester 3 – 6 vorgegeben:
1. Auswirkungen des Industriekapitalismus im 19. Jahrhundert in Deutschland auf die Lebens- und Arbeitswelt
2. Konflikte, Kriege und Friedensregelungen in Europa in der Epoche des Nationalismus nach 1870
3. Macht- und Herrschaftsstrukturen am Ende des Rechts- und Verfassungsstaates in Deutschland 1933/34
4. Politische Partizipation nach dem 2. Weltkrieg im Hinblick auf die europäische Einigung

Kolleginnen und Kollegen:
J. Gabriel
M. Hülsmeier
J. Karhof
M. Koch
M. Krugmann
G. Nawrot
H. Nölke
J. Ohm
R. Ohms
B. Reineke
S. Stickeler