Schulgeschichte

Tradition der Erwachsenenbildung – Individuelle Chance

Das Westfalen-Kolleg Paderborn steht in einer Tradition der Erwachsenen­bildung, deren Ursprünge bis in das ausgehende 18. und frühe 19. Jahrhundert zurückreichen.

Selbstverständlich hat sich seither sehr vieles verändert! Gleichwohl gibt es sowohl auf der Seite derjenigen, die sich als Erwachsene bewusst weiterbilden, als auch auf der der Institutionen und der sie stützenden Gesellschaft bleibende Traditionslinien:

Bei den Studierenden sind es vielfältige Wünsche nach Umorientierung, nach Umbau von Berufs- und Lebensperspektive, nach Ergänzung, Unterbrechung oder Veränderung der bisherigen Biographie.

Für die Gesellschaft waren und sind die Institutionen der Erwachsenenbildung ein wichtiges Mittel, um auf gesellschaftliche und ökonomisch-technische Veränderungs- und Qualifizierungsprozesse zu reagieren, und eine Notwendigkeit, um dem Postulat gerechter Bildungschancen entsprechen zu können.

Gründung des Westfalen-Kollegs im Kontext der Bildungsexpansion

Die Geschichte der Schule geht direkt auf die sogenannte Bildungsexpansion in der Bundesrepublik in den 1950er und 1960 er Jahren zurück. Wichtige Hintergründe für diese Entwicklung waren etwa die Diskussion über die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen schlechter und sozial selektiver Bildungschancen sowie die erhöhten Anforderungen, welchen die Menschen sich sowohl in der Arbeitswelt als auch in der Freizeit durch den wissenschaftliche-technischen Fortschritt ausgesetzt sahen.

Durch die Bildungsexpansion, welche unternommen wurde, um diesen Herausforderungen zu begegnen, erfuhr auch der Zweite Bildungsweg wesentliche Impulse. Es wurden nicht nur Abendgymnasien gegründet, sondern auch eine neue Form der Erwachsenenbildung: das Kolleg.

Chancengleichheit und die steigende Nachfrage nach Berufen, die hohe Anforderungen an die Schulbildung stellen, begründeten das Bestreben, auch Erwachsenen den Erwerb der Hochschulreife zu ermöglichen, besonders

solchen, die wegen ihrer sozialen Herkunft oder der erschwerten Erreichbarkeit von Gymnasien in ländlichen Gebieten in ihrer Jugend keinen höheren Bildungsabschluss erwerben konnten. Diese Studierenden sollten in einem Zweiten Bildungsweg, der dem ersten gleichwertig sein sollte, zur allgemeinen Hochschulreife gelangen.

In diesem Kontext wurde im Jahr 1964 das Westfalen-Kolleg Paderborn als staatliches Institut gegründet, welches in der ländlichen Region des ehemaligen Hochstifts Paderborn die Chance zum Erwerb einer höheren Schulbildung für Erwachsene eröffnete. Nach den Anfängen in Pavillons an der Benhauser Straße ist das Kolleg seit 1975 in den Räumlichkeiten der ehemaligen Pädagogischen Hochschule am Fürstenweg untergebracht.

Entwicklung der Unterrichtsorganisation und Lehrgänge

Im Laufe der Zeit wurden unterschiedliche Konzepte der Unterrichtsorganisation entwickelt und durchgeführt. Seit 1981 wird nach dem Kurssystem unterrichtet, das sich an der Sekundarstufe II orientiert. In der Einführungsphase der ersten beiden Semester lernen die Studierenden im Klassenverband, die anschließenden vier Semester im Kurssystem.

In der Tradition der Gründungsmotivation, bildungswilligen Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation nutzbare Bildungsangebote zu machen, ergänzte das Westfalen-Kolleg Paderborn den Kernbereich seines Angebotes, den ganztägig unterrichteten Bildungsgang Kolleg, um weitere.

So wird seit dem Jahr 1989 ein reiner Vormittagslehrgang angeboten, der organisatorisch den Richtlinien eines Abendgymnasiums folgt, um etwa den Bedürfnissen von jungen Eltern gerecht werden zu können.

Ferner nutzt die Schule die Gestaltungsmöglichkeiten durch Digitalisierung auch in der Bildung bereits seit dem Jahr 2002 in Form eines Kurses „abitur-online“, der im Sinne eines integrierten Lernens Präsenzunterricht in der Schule mit plattform- und tutorengestützen Selbstlernphasen verbindet und so auch berufsbegleitend absolviert werden kann.

Seit dem Jahr 1964 sind mittlerweile mehr als 100 Jahrgänge am Westfalen-Kolleg Paderborn unterrichtet worden und mehr als 4500 Studierende haben hier ihre Abiturprüfung abgelegt.

Wussten Sie schon, dass …

… das Gelände des heutigen Westfalen-Kollegs eine lange Tradition als Ort der Bildung, aber auch der Erholung hat?

Bevor auf diesem schönen Fleckchen Erde die Pädagogische Akademie erbaut wurde, um als katholische Ausbildungsstätte für Volksschullehrer zu dienen, befand sich genau hier eine idyllische Parkanlage, die zur „Curanstalt Inselbad“ gehörte, welche im 19. Jahrhundert einen guten internationalen Ruf als Sanatorium für chronische Lungenleiden hatte. Zu der Parkanlage gehörte auch die Ottilienquelle, deren chemische Zusammensetzung sich positiv auf die Atemwege und den Magen-Darmtrakt ausgewirkt haben soll.

Ab 1950 nutzte die Pädagogische Akademie Gelände und Räumlichkeiten der ehemaligen Hauswirtschaftsschule am Fürstenweg. Die Errichtung dieser Einrichtung zur Lehrerausbildung mit ihrer Orientierung am christlichen Humanismus war ein Beitrag zu der in der Nachkriegszeit von den britischen Besatzern angestrebten „re-education“.

Da der Platz hier nicht ausreichte, kam es 1954 zu einem Wettbewerb für einen Erweiterungsbau. Nach einer Bauphase von 4 Jahren war es so weit: der Bau der Pädagogischen Akademie war vollendet und ein Jahr später fand dann am 08. Juni 1962 die feierliche Einweihung statt.

Nachdem die nunmehr „Pädagogische Hochschule“ (PH) genannte Einrichtung ab 1972 in die Gesamthochschule (ab 2002: Universität) Paderborn übersiedelte, zog schließlich 1977 das „Westfalen-Kolleg“ aus den provisorischen Barackengebäuden an der Benhauser Straße in das Gebäude am Fürstenweg um. Die Grundsanierung, die nach mehreren Jahren 2006 abgeschlossen wurde, bewahrte die sich am Bauhausstil orientierende Grundidee der Anlage und bescherte ihr neben einer auch technischen Modernisierung die neuen Gebäudebezeichnungen „A“ bis „H“.

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