AG „Schwarzes Theater

Mit einem Aushang am Schwarzen Brett im September 1991 fing alles an: „Lasst euch entführen in die zauberhafte Welt des Schwarzen Theaters!“ Angelockt durch diesen Aufruf fanden zunächst fünf Studierende den Weg in einen leer stehenden Kellerraum des Westfalen-Kollegs, um dort mit mir die kreativen Möglichkeiten des Schwarzlichttheaters zu erkunden. Fasziniert von den sich bietenden zauberhaften theatralen Möglichkeiten, be-schlossen wir, den Kellerraum als Raum für eine regelmäßige Probenarbeit in Eigenregie schwarzlichttechnisch herzurichten. Schnell formierte sich ein engagiertes Ensemble, welches innerhalb von 10 Monaten ein 45-minütiges Schwarzlichtprogramm mit dem Titel „It´s a kind of magic!“ auf die Beine stellte. Die Premiere unseres ersten Stücks konnte jedoch leider nicht am „Kolleg“ stattfinden, da die Aula zur damaligen Zeit lediglich für Abiturfeiern und andere repräsentative Veranstaltungen genutzt werden durfte. So mussten wir auf eigene Kosten in die Paderborner Kulturwerkstatt ausweichen, wo sich das zahlreich erschienene Publikum und die ortsansässige Presse von unseren Schwarzlichtspielereien begeistert zeigte. Mit dieser überwältigenden Resonanz hatten wir nicht gerechnet. Für uns war klar, wir wollten weitermachen. Auch schulpolitisch gesehen war der große Erfolg unserer ersten Produktion ein wichtiger Schritt in Richtung Etablierung des Schwarzen Theaters am Westfalen-Kolleg Paderborn. Führte diese etwas dubiose Theater-AG bis zu diesem Zeitpunkt in den „kollegialen Kellergewölben“ ein eher unbeachtetes Schattendasein, so erkannten nun Teile der Kollegleitung den „Werbewirksamkeitsfaktor“ eines solchen Theaterprojektes. Fortan erhielten wir sukzessive die Nutzungsrechte für unsere Schulaula, zunächst zu Auftrittszwecken und dann schließlich auch für unsere wöchentlichen Proben am Mittwochabend.
Seit mittlerweile 27 Jahren gibt es nun schon diese Theater AG. Viele Ensemblemitglieder kamen und gingen in dieser Zeit. Insgesamt waren es bisher etwa 175 Akteure, die als Beleuchter, Fotografen, Kulissenbildner, Plakatgestalter, Regisseure, Schauspieler und Tontechniker unser Team bereicherten. Die meisten von ihnen waren (und sind) Kollegiaten. Aber auch etliche „Externe“ fanden den Weg in unsere Gruppe. Gerade diesem „offenen Konzept“ und der von freundschaftlicher Akzeptanz geprägten Arbeitsatmosphäre ist es zu verdanken, dass immer wieder Ehemalige in unser Ensemble zurückkehren und so für eine gesunde Mischung aus Jung und Alt sorgen. Auf diese Weise gelang es uns über all die Jahre, das kreative Potential sowie das schauspielerische Niveau des Teams hochzuhalten.
Deutlich verändert hat sich in der Zwischenzeit allerdings die Arbeitsweise in unserer Theater-AG. Lag in den ersten 5 Jahren der Schwerpunkt unserer Theaterarbeit noch auf dem experimentellen Einsatz von Schwarzlicht-, Schatten- und Bewegungstheater im Rah-men selbst entwickelter Szenen und Stücke, so näherten wir uns im Laufe der Jahre zuneh-mend dem Sprechtheater an. In Klassikern wie „Die Göttliche Komödie“ (Dante), „Ein Sommernachtstraum“ (Shakespeare) und „Die tragische Historie des Doktor Faustus“ (Marlowe) griffen wir erstmals auf vorhandene Stückvorlagen zurück und verbanden in unseren Inszenierungen in kreativer Weise alle vier der oben genannten Theaterformen. Unserem Publikum machte das viel Spaß …. und uns auch!
Inzwischen haben wir uns fast gänzlich vom Schwarzlichttheater verabschiedet und unsere Liebe für Stücke jüngeren Datums entdeckt. So standen in den letzten Jahren Werke von Autorinnen und Autoren wie Kenneth Brannagh, Marina Carr, Rainer Werner Fassbinder, Anja Hilling, Helmut Krausser, Tracy Letts, Dea Loher, Marius von Mayenburg und Marlene Streeruwitz auf unserem Spielplan. Gezeigt haben wir die Früchte unserer theaterpäda-gischen Arbeit auf kleineren und größeren Bühnen in Bielefeld, Delbrück, Kassel, Koblenz, Paderborn und Wolfsburg. Einige ehemalige Ensemblemitglieder wie Anna Drechler (Dra-maturgieassistentin am Theater Koblenz), Tim Tölke (Schauspieler am Theater Paderborn) Philip Heines und Jens Meyer (beide Schauspielschüler an der Schauspielschule Kassel) wurden derart vom Theatervirus infiziert, dass sie nach ihrer Kollegzeit eine theatrale Laufbahn einschlugen.
Wollen wir hoffen, dass der mit langem Atem und viel theatraler Energie erstrittene Proben-termin am Mittwochabend von 19.00-21.45 Uhr in der Aula des Westfalen-Kollegs noch lange Bestand haben wird!!!

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