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Zweieinhalb Wochen im Raumschiff – Deutsche SchülerAkademie 2022

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„Die Akademie ist das, was ihr daraus macht. Der Rahmen besteht, ihr müsst ihn füllen.“ Mit diesen Worten begrüßte uns die Akademieleitung in der ersten Besprechung im Plenum.

Ich habe in diesem Sommer die Möglichkeit bekommen, ein Teil der Deutschen SchülerAkademie (DSA) in Roßleben zu sein. Vor einigen Wochen schlug mir Frau Schumann vor, daran teilzunehmen. Ich hatte davor nie von einer solchen Akademie gehört, fand jedoch Interesse an dem dortigen Angebot.

„Feministische Wissenschaftsphilosophie“ in Roßleben

Ein Auswahlverfahren und die Kurswahl später stand fest, dass ich den Kurs „Feministische Wissenschaftsphilosophie“ in Roßleben belegen würde. Kurz vor der Anreise erhielten wir Teilnehmenden bereits philosophische Texte, deren Konzepte es zunächst halbwegs zu begreifen galt. Außerdem durften wir vorab in Partnerarbeit kurze Referate vorbereiten.

Willkommen in „Hogwarts“

Schließlich machte ich mich auf den Weg nach Roßleben. Unsere Unterkunft war eine private Klosterschule mit viel Geschichte. Während Teilnehmer aus ganz Deutschland im Laufe des Tages eintrudelten, erkundeten die bereits Anwesenden das weitreichende Gelände und die Klosterräume. Knarzende Dielen führten zu Bädern und Gemeinschaftsräumen, in denen wir in den nächsten Tagen wundervolle Erinnerungen sammeln würden. Mit der Zeit wich die allgemeine Fremde und wir wurden zu einer großen Familie. Niemand wurde ausgeschlossen und niemand war zu irgendeiner Zeit unerwünscht. Diese Atmosphäre empfinde auch im Nachhinein nicht als selbstverständlich.

Ein Raumschiff hebt ab

In der Mensa wurde durchweg hitzig über die Relativitätstheorie und das Schulsystem diskutiert. Zur selben Zeit liefen die Kurse an. Neben meinem Kurs „Feministische Wissenschaftsphilosophie“, gab es einen Kurs zur „Geometrie der Raumzeit“, „Gruppentheorie und Topologie“ und „(Un)Freiheit der Komik? Satire selbstgemacht“. Die Akademie war mit Sicherheit kein Erholungsurlaub, es gab immer viel zu tun und jeder kam an irgendeinem Punkt an seine Grenzen. Jeder zweifelte irgendwann an sich selbst und den eigenen Kompetenzen. Das Niveau im Kurs war hoch und abstrakt und wir mussten erst lernen, uns damit abzufinden, nicht immer einwandfrei vorbereitet zu sein oder perfekt abzuliefern.

Neben den Kursen gab es kursübergreifende Angebote (KüAs). Dazu gehörte ganz zentral Musik, genauer gesagt Chor, Orchester, Band, Kammermusik, Musiktheater und Dirigieren. Außerdem durften Teilnehmende und Kursleitende beziehungsweise Akademieleitung weitere KüAs anbieten. So profitierten wir gegenseitig von unseren Stärken und Fähigkeiten. Wir spielten Schach, lernten Standardtanz, backten Kekse, erhielten durch Vorträge Einblicke in gesellschaftliche Themen, schnupperten ins Alt-Griechische, stöberten im Archiv des Klosters, probierten uns an Kalligraphie und beobachteten Meteoritenschauer. Zu keiner Zeit waren wir jedoch gezwungen, an irgendeinem Angebot teilzunehmen.

In der ersten Woche machten wir außerdem eine Exkursion zur Himmelsscheibe Nebras und verbanden diesen Ausflug mit einer Fahrradtour beziehungsweise Wanderung.

Unvergessliche Momente

Während sich die Mathematiker mit Beweisen, die Satiriker mit Analyse und Komik und die Physiker mit Nachvollziehen und Verstehen beschäftigten, begriffen wir im Kurs „Feministische Wissenschaftsphilosophie“ neue Konzepte zu Werten, Objektivität und wissenschaftlichen Strukturen und schrieben darüber hinaus eigene philosophische Essays. In den letzten Tagen in Roßleben fanden ein Abschlusskonzert und eine Party statt. Wir versuchten jede Sekunde auf Kosten unseres Schlafes auszunutzen und verabschiedeten uns am Ende tränenreich. Die Zeit in Roßleben verlief völlig abseits der Welt, vielmehr wie in einem Raumschiff, das für zweieinhalb Wochen einfach abgehoben war. Hinter uns liegt eine intensive Zeit, die nicht immer nur schön und einfach war, doch umgeben von wundervollen Menschen, die jeden immer wieder auffingen.

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