Langfristiger Impuls der Projekttage: Adam Schmieding (S4) baut Klotzbeuten in Weißrussland

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Während der letztjährigen Projekttage haben Studierende des Westfalen-Kollegs unter Anleitung der ehemaligen Studierenden und Demeter Imkerin Sabine Bergmann Nester für Bienen in Holzstämme, sogenannte Klotzbeuten, gebaut. Diese Tätigkeit steht in der mittelalterlichen Handwerkstradition der sog. Zeidler, die Bienen in Baumstämmen hielten.

Einer der Projektteilnehmer war der gelernte Forstwirt Adam Schmieding (S4), der seitdem Feuer für dieses Thema gefangen hat und in den Osterferien in ein Naturschutzgebiet in Weißrussland gearbeitet hat, worüber er freundlicherweise einen kurzen Bericht geschrieben hat:

 

Adam Schmieding (5. v. l.) und die internationale Gruppe mit einer Klotzbeute

Vor den Projekttagen im letzten Jahr hätte ich nicht gedacht, dass sie mich indirekt einige Monate später auf eine 1.600 km langen Reise von Paderborn über die Sächsische Schweiz und Polen in die Wildnis des Naliboki Naturschutzgebietes in der Republik Belarus (Weißrussland) führen würden. Auch wenn dort Bären, Wölfe und Luchse leben, drehte sich bei uns alles um die Honigbiene und ihre artgerechte Haltung. Dabei ging es vor allem um sogenannte Klotzbeuten, die wir dann auch im Nationalpark selber hergestellt haben. Das Ziel bei der Herstellung von Klotzbeuten ist es, der Honigbiene, die ursprünglich ein Waldbewohner ist, einen natürlichen Lebensraum zu Verfügung zu stellen, um sie artgerecht zu halten und ihre Abhängigkeit vom Menschen zu vermindern.

Adam und weitere Teilnehmer beim Bau einer Brücke im Naturschutzgebiet.

Aber der Reihe nach:

Statt das Osterfest mit meiner Familie zu zelebrieren, ging es ab Mitte der Osterferien mit einer Gruppe, bestehend aus Imkern und am Wald interessierten Menschen, auf eine außergewöhnliche Reise Richtung Osten.

Das erste Ziel war ein kleines Dorf namens Kleingießhübel mitten in der Sächsischen Schweiz, in der Nähe des Elbsandsteingebirges. Im Wald besichtigten wir dort die Kotzbeuten des Imkers Tobias Wolf.

Dann begann die erste, fünfstündige Etappe unserer Fahrt über die Grenze nach Polen. Im zentralen Polen besuchten wir den Zeidlerpionier Andrzej Pazura, welcher für das Forstamt Spala tätig ist. Andrzej Nach einer Nacht mit hervorragendem Essen und ausgelassener Stimmung, ging es am Morgen nach einer kurzen Erkundungstour durch das nahegelegene Revier von Andrzej weiter Richtung Augustow.

Dort trafen wir den jungen Zeidler und Brauereiinhaber Piotr Pilasiewicz. Piotr ist ein Innovativer Unternehmer, welcher zusammen mit einem Freund eine kleine Brauerei gründete. So produziert er in einem Industriegebäude Honigbier und Met. Die fertigen Getränke werden unter anderem direkt an lokale Restaurants und Bars in Augustow ausgeliefert.

Auf unserer letzten Etappe Richtung Nationalpark und Zielpunkt Naliboki mussten wir uns der weißrussischen Grenzkontrolle stellen. Nach zweistündiger Wartezeit wurden wir schließlich aufgefordert, unseren Bulli in eine Garage hineinzufahren und dort wurden der Innenraum und alle Gepäckstücke sorgfältig durchsucht! Nach ca. einer halben Stunde konnten wir endlich die Grenze passieren.

Nach ca. vier weiteren Stunden Fahrt, zunächst noch über Straßen und anschließend nur noch über Feldwege, erreichten wir den Naliboki Nationalpark. Kurz vor der Unterkunft mussten wir den Bulli stehen lassen, da wir eine Holzbrücke überqueren mussten, um zu dem Haus zu gelangen. Nun befanden wir uns mitten in der Wildnis.

Vor Ort trafen wir auf unseren Freund und Zeidler Ivan Mulin, bei welchem wir eine knappe Woche mitten in der Wildnis zu Gast sein durften. In den kommenden Tagen halfen wir Ivan dann beim Bau von Brücken und Plattformen und bei der Fertigstellung von Klotzbeuten. Die Klotzbeuten wurden anschließend auf die gefertigten Plattformen in den Baumkronen gezogen und befestigt. Nach etwa vier wundervollen Tagen begaben wir uns wieder auf die lange Heimatfahrt Richtung Westen.

Die Klotzbeute wird in der Baumkrone angebracht.

Ich persönlich gewann in den Tagen neben der freudigen gemeinsamen Arbeit einen wertvollen Einblick in die Welt der Pflanzen und Tiere innerhalb des Nationalparks. Selten habe ich so ein vielseitiges und belebtes Ökosystem erlebt. Elche, Wölfe, Luchse, Braunbären, unzählige Vogel- und Insektenarten und viele mehr kommen in diesem Reservat zusammen. Es ist ein eigenständiges System, welches prächtig gedeiht ohne große Eingriffe von Menschenhand. Es ist ein System mit einem unermesslichen Wert.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Organisatoren und Freunden, dass ich an dieser Reise teilhaben durfte. Ganz besonders bedanke ich mich bei Ivan Mulin für seine tolle Gastfreundschaft und bei Sabine Bergmann, die diese Reise ins Leben gerufen hat.

Es könnte auch das Haus von Rottkäppchens Großmutter sein, es handelt sich aber um die Unterkunft der internationalen Zeidlergruppe während des Aufenthaltes im Naturschutzgebiet Naliboki.

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